Überschuldung in der Region Leipzig geht leicht zurück – Stadt Leipzig weiterhin Schlusslicht
Die Überschuldungssituation von Verbrauchern in Deutschland hat sich im Jahr 2011 als Folge der deutlich positiven Konjunktur- und Arbeitsmarktentwicklung wieder leicht verbessert. Zum Stichtag 1. Oktober 2011 wurde für die gesamte Bundesrepublik eine Schuldnerquote von 9,38 Prozent (2010: 9,50 Prozent) gemessen. Damit sind rund 6,41 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet und weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Anzahl der Schuldner um rund 80.000 Personen verringert.
Ein Vergleich der Bundesländer zeigt – auch hier setzt sich fast überall die positive Entwicklung fort. Sachsen liegt mit einer Schuldnerquote von 8,26 Prozent erneut deutlich unter dem Bundesdurchschnitt und verteidigt damit seinen guten dritten Platz der vergangenen Jahre im Bundesländerranking. Lediglich in Bayern (6,88 Prozent) und Baden-Württemberg (7,50 Prozent) sind die Schuldnerquoten noch geringer.
 |
|
Die Zahl der überschuldeten Privatpersonen in der Region Leipzig, dazu zählen die Stadt Leipzig, der Landkreis Leipzig, der Landkreis Nordsachsen sowie ein Teil des Landkreises Mittelsachsen, ist im Vergleich zum Vorjahr nur leicht gesunken und liegt bei 10,23 Prozent (Vorjahr: 10,26 Prozent).
|
Abbildung: Schuldnerquoten in der Region Leipzig |
|
| |
Schuldnerquoten in % |
| 2004 |
2005 |
2006 |
2007 |
2008 |
2009 |
2010 |
2011 |
| Deutschland |
9,74 |
10,43 |
10,68 |
10,85 |
10,11 |
9,09 |
9,50 |
9,38 |
| Sachsen |
8,95 |
9,51 |
9,76 |
10,01 |
9,10 |
7,96 |
8,37 |
8,26 |
| Region Leipzig |
11,03 |
11,67 |
12,11 |
12,47 |
11,39 |
9,68 |
10,26 |
10,23 |
| Leipzig (Stadt) |
12,64 |
13,41 |
14,05 |
14,44 |
13,15 |
10,99 |
11,63 |
11,62 |
| Nordsachsen |
10,64 |
11,17 |
11,19 |
11,42 |
10,33 |
8,92 |
9,42 |
9,28 |
| Leipzig |
9,17 |
9,43 |
9,85 |
10,19 |
9,44 |
8,10 |
8,61 |
8,56 |
| Abbildung: Entwicklung der Schuldnerquoten 2004 - 2011 |
Den geringsten Anteil an Schuldnern in unserer Region weist, wie im Jahr zuvor der Landkreis Leipzig mit 8,56 Prozent auf. Die niedrigsten Schuldnerquoten im Landkreis und der gesamten Region Leipzig wurden in den Gemeinden Kohren-Sahlis mit 5,04 Prozent (Vorjahr: 5,21 Prozent) und Kitzen mit 5,25 Prozent (Vorjahr: 5,48 Prozent) ermittelt. Der überwiegende Teil der Städte und Gemeinden im Kreis liegt auch in diesem Jahr wieder deutlich unter dem bundesdeutschen Durchschnitt. Am höchsten sind die Schuldnerquoten in Böhlen (12,86 Prozent), Rötha (10,43 Prozent) und Wurzen (10,17 Prozent). Hier stieg die Zahl gegen den Trend sogar leicht an. Anders in Mutzschen, wo die Schuldnerquote um 0,52 Prozent zurückging. Dennoch gehört die Stadt mit 11,73 Prozent zu den Schlusslichtern des Landkreises Leipzig.
Im Landkreis Nordsachsen nahm die Schuldnerquote im Vergleich zum Vorjahr leicht ab und liegt in diesem Jahr bei 9,28 Prozent. Schildau weist mit 5,94 Prozent die niedrigste Schuldnerquote im Landkreis auf. Eine deutlich höhere Schuldnerdichte herrscht in Torgau (11,28 Prozent), Rackwitz (10,21 Prozent) und Delitzsch (10,36 Prozent), wobei auch hier die Tendenz rückläufig ist. In Beilrode hingegen stieg die Schuldnerquote um 0,49 Prozent auf 11,25 Prozent an.
Die Stadt Leipzig zählt mit einer Schuldnerquote von 11,62 Prozent sowohl in der Region Leipzig als auch in Sachsen als Schuldnerquoten Spitzenreiter. Auch bei der Betrachtung aller Großstädte (über 400.000 Einwohner) nimmt Leipzig erneut einen Platz unter den 10 Städten mit dem höchsten Verschuldungsgrad ein. Trotz aller Arbeitsmarktbelebung und rückläufigen Arbeitslosenzahlen – die "Schuldnerhochburgen" in Leipzig sind auch die Stadtteile, in denen nach wie vor Arbeitslosigkeit und soziale Probleme am stärksten ausgeprägt sind. Im Leipziger Osten und im Leipziger Westen finden sich Verschuldungsraten von 14 Prozent und höher, während Stadtteile wie das Waldstraßenviertel, die Südvorstadt, Baalsdorf oder Connewitz Verschuldungsquoten zwischen 6 und 9 Prozent aufweisen.
| Abbildung: Schuldnerquoten der Stadt Leipzig auf Postleitzahlenebene |
Schuldner profitieren von konjunktureller Erholung
Rund 3,7 Millionen Schuldner befinden sich in einer nachhaltigen und meist dauerhaften Überschuldungskrise und weisen zahlreiche gerichtliche Überschuldungsmerkmale, wie Eidesstattliche Versicherung oder Privatinsolvenz auf. Diese Gruppe bildet einen mehr oder minder veränderungsresistenten Schuldnersockel. Die Zahl der überschuldeten Personen mit eher geringer Überschuldungsintensität ist 2011 auf 2,71 Millionen Überschuldungsfälle zurückgegangen. Diese Gruppe profitierte von der konjunkturelle Erholung und der Belebung des Arbeitsmarktes und war somit in der Lage ihren Schuldendiensten nachzukommen und ihre Schuldenlast abzubauen.
Knapp zwei Drittel aller überschuldeten Deutschen sind Männer
Die Überschuldungsproblematik hat sich 2011 in der Gesamtbevölkerung zwar entschärft, allerdings ist ein Rückgang der überschuldeten Personen allein bei weiblichen Schuldnern festzustellen. Während die Zahl der Männer im Überschuldungsprozess um 1,2 Prozent auf 4,1 Millionen Personen zunahm, sank die Zahl der betroffenen Frauen um rund 5,3 Prozent auf 2,31 Millionen. Frauen gelang es in den letzten zwölf Monaten offenbar besser als Männern, die Chance des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Belebung des Arbeitsmarktes zu nutzen, um sich ihrer Schulden zu entledigen.
Immer mehr junge Menschen in der Schuldenfalle
Die aktuelle Analyse der Verschuldungsentwicklung nach Alter bestätigt nachdrücklich den Trend der Vorjahre: Immer mehr junge Menschen geraten in die Schuldenfalle. So liegt die Schuldnerquote bei Personen in der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre mit 12,66 Prozent zwar weiterhin am höchsten, allerdings sind relativ gesehen weniger Personen betroffen als 2010 (13,29 Prozent). Anders verlief dagegen die Entwicklung der jungen Erwachsenen im Alter von 20 bis 29 Jahren und in der Altersgruppe der unter 30-jährigen. Mittlerweile ist mehr als ein Viertel der Überschuldeten Personen jünger als 30 Jahre. Mehr überschuldete Personen wurden auch in der Altersgruppe ab 70 Jahre gezählt. Diese Entwicklung spiegelt den verstärkten Trend zur Altersarmut wider.
Fazit
Für das kommende Jahr ist weiterhin mit günstigen Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt und gleichzeitig mit einer Verbesserung der Einkommenssituation der Verbraucher zu rechnen. Zudem ist bei den deutschen Verbrauchern eine zunehmende Sensibilisierung und Ausgabenvorsicht festzustellen. Dennoch ist davon auszugehen, dass sich die bestehende Sockelverschuldung weiterhin verfestigen wird. Ein deutlicher Rückgang der Zahl der überschuldeten Verbraucher ist vor diesem Hintergrund im kommenden Jahr nicht zu erwarten.
Der Creditreform SchuldnerAtlas untersucht, wie sich die Überschuldung von Verbrauchern innerhalb Deutschlands kleinräumig verteilt. Überschuldung liegt dann vor, wenn der Schuldner die Summe seiner fälligen Zahlungsverpflichtungen auch in absehbarer Zeit nicht begleichen kann und ihm zur Deckung seines Lebensunterhaltes weder Vermögen noch Kreditmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Diese Daten können auf Bundesländerebene betrachtet werden, für Kreise und kreisfreie Städte sowie Postleitzahlgebiete ausgewertet werden.
|