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Archiv 2005
Insolvenzen in Deutschland 2005
Insolvenzen, Neugründungen und Löschungen 2005
Unternehmensinsolvenzen leicht rückläufig – weiter deutliche Steigerungen bei Privatinsolvenzen
Neuss, 29.11.2005
37.900 Unternehmen mussten im Jahr 2005 einen Insolvenzantrag bei Gericht stellen – das sind 1.370 oder 3,5
Prozent weniger als 2004. Insgesamt steigen die Insolvenzen jedoch auf einen neuen Höchststand an: 136.300 Fälle sind
im Gesamtjahr zu beklagen – 15,3 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Verursacht wird die Steigung von den
Privatpersoneninsolvenzen: 66.400 Verbraucher (plus 35,2 Prozent) und 32.000 sonstige Insolvenzen sind zu zählen. Zu
den sonstigen Insolvenzen zählen überschuldete Nachlässe, Stiftungen und Vereine sowie die Insolvenzen von ehemals
selbstständigen Personen.
Erstmals seit fünf Jahren verzeichnen die westdeutschen Unternehmen einen Rückgang der Insolvenzen: Um 4,6 Prozent
sank das Aufkommen auf insgesamt 28.700 Fälle. Insgesamt legten die Insolvenzen in Westdeutschland um 13,8 Prozent auf
103.200 Fälle zu. 51.900 Verbraucher- (plus 24,1 Prozent) und 22.600 sonstige Insolvenzen (plus 20,3 Prozent)
registrierten die Gerichte in Deutschland.
Ostdeutschland verzeichnet bei den Unternehmensinsolvenzen eine entgegen gesetzte Entwicklung: In den Jahren 2003
und 2004 war ein Rückgang der Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen – aktuell nehmen sie wieder zu. Um 0,1
Prozent auf 9.200 betroffene Betriebe stiegen die Unternehmenskonkurse in 2005 an (Vorjahr: 9.190). Die
Verbraucherkonkurse nehmen demgegenüber deutlich zu: Um 99,2 Prozent auf 14.500 Insolvenzen stiegen sie im
Jahresverlauf an. Bei den sonstigen Insolvenzen ist hingegen ein Rückgang (um 15,4 Prozent) auf 9.400 Betroffene zu
konstatieren.
Branchen: Nur der Handel legt noch zu
Das Verarbeitende Gewerbe zeigt den größten Rückgang der Insolvenzen bei den betrachteten Hauptwirtschaftbereichen:
Um 8,3 Prozent sank hier das Insolvenzaufkommen auf insgesamt 2.990 betroffene Firmen (Vorjahr: 3.260). Auch der Bau
verzeichnet erfreulicherweise überdurchschnittliche Rückgänge von 6,1 Prozent auf 7.450 Insolvenzen (Vorjahr: 7.930).
Dem Trend entgegen verläuft die Entwicklung der Handelsbetriebe – hier sind nach wie vor Zuwächse zu verzeichnen:
Meldeten im Jahr 2004 noch 9.330 Handelsbetriebe ihren wirtschaftlichen Zusammenbruch den Gerichten, sind es aktuell
9.380 (plus 0,5 Prozent). Bei Betrachtung der relativen Insolvenzbetroffenheit relativieren sich die guten Ergebnisse
der Baubetriebe wieder: Von 10.000 existenten Unternehmen aus dem Baugewerbe mussten 2005 235 Konkurs anmelden. Im
Verarbeitenden Gewerbe sind es lediglich 82, bei den Dienstleistern 118 und im Handel 134. Im Durchschnitt aller
Branchen liegt die Risikoquote bei 130 Pleiten pro 10.000 Betrieben.
Den größten Anteil am Insolvenzaufkommen haben Betriebe mit einem jährlichen Umsatzvolumen zwischen 500.000 und 5,0
Millionen Euro. 2005 meldeten 12.740 Unternehmen dieser Umsatzgrößenklasse Insolvenz an, das sind 33,6 Prozent des
gesamten Insolvenzaufkommens (Vorjahr: 34,7 Prozent). Zugenommen hat der Anteil an Mikrobetrieben mit weniger als
100.000 Euro Umsatz pro Jahr, und zwar von 18,4 Prozent im Jahr 2004 auf aktuell 20,3 Prozent. Insolvenzgefährdet sind
Betriebe insbesondere die ersten sechs Jahre nach ihrer Gründung. 45,5 Prozent der Unternehmenskonkurse werden von
Unternehmen beantragt, die jünger als sechs Jahre sind. Im letzten Jahr waren es 1,3 Prozentpunkte mehr. Parallel zur
Insolvenzentwicklung in den Umsatzgrößenklassen verläuft auch die Entwicklung in den Beschäftigtengrößenklassen. Der
Insolvenzanteil der Unternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten stieg im Jahresverlauf um 1,6 Prozentpunkte auf 75,2
Prozent. Abgenommen hat hingegen der Anteil der Beschäftigtengrößenklasse von über 100 Personen und zwar um 0,2
Prozentpunkte auf 0,7 Prozent. Unterteilt man die Unternehmensinsolvenzen auf die verschiedenen Rechtsformen,
dominieren die Kleingewerbetreibenden das Insolvenzgeschehen: 48,6 Prozent aller Insolvenzen werden von
Kleingewerbetreibenden gestellt, binnen Jahresfrist stieg dieser Anteil um 2,7 Prozentpunkte. Der Anteil der
GmbH-Insolvenzen ist hingegen rückläufig: Machten sie im vergangenen Jahr noch 39,8 Prozent des Insolvenzgeschehens
aus, sind es aktuell nur noch 37,5 Prozent.
Private Gläubiger triff es härter
Die Unternehmensinsolvenzen verursachen Schäden von insgesamt 37,5 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor lag die
Schadenshöhe bei 39,4 Milliarden Euro. Private Gläubiger sehen sich offenen Forderungen in Höhe von 26,7 Milliarden
Euro (Vorjahr: 27,5 Milliarden Euro) ausgesetzt, die Öffentliche Hand trifft es mit 10,8 Milliarden Euro (Vorjahr: 11,9
Milliarden Euro) deutlich weniger. Die durchschnittliche Schadenssumme, die eine Insolvenz verursacht, hat sich
gegenüber dem Vorjahr nicht verändert: Forderungsverluste von 700.000 Euro sind pro Insolvenzfall zu beklagen. Die Zahl
der insolvenzbedingten Gesamtarbeitsplatzverluste ist mit minus 6,9 Prozent deutlich rückläufig. Waren im vergangenen
Jahr noch 605.000 Arbeitnehmer von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen, sind es aktuell nur noch 563.000.
Die Eigenkapitalsituation hat sich im Laufe des letzten Jahres leicht verbessert: 22,2 Prozent der mittelständischen
Betriebe verfügen über mehr als 30 Prozent Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme und sind damit ausreichend
kapitalisiert. Im vergangenen Herbst waren es nur 19,9 Prozent. Es zeigt sich allerdings auch, dass der Anteil
unterkapitalisierter Betriebe (weniger als zehn Prozent haftendes Eigenkapital) leicht um 0,6 Prozentpunkte auf nunmehr
36,6 Prozent zugenommen hat.
Die Zahl der Unternehmen, die Forderungsverluste von mehr als einem Prozent im Verhältnis zum Umsatz hinnehmen
mussten, ist gestiegen: Erlitten im vergangenen Jahr 17,0 Prozent der Unternehmen Forderungsverluste in der
beschriebenen Höhe, sind es aktuell 18,5 Prozent. Keine Verluste hatten lediglich 14,4 Prozent der Unternehmen
hinzunehmen – 0,1 Prozentpunkte weniger als im Herbst 2004.
Walter Bau, Ihr Platz, Agfa
Der „Boom“ der großen Firmenzusammenbrüche scheint vorüber – lediglich acht Unternehmen, die mehr
als 500 Mitarbeiter beschäftigten, mussten im laufenden Jahr aufgeben. Allen voran ist die Insolvenz des
„Walter-Bau-Konzerns“ zu nennen, die Ende Februar die Medien und Öffentlichkeit aufschreckte. Es folgten
die Insolvenzen von „Ihr Platz“ und „Agfa“. Auf Platz vier liegt der niederbayerische
Textilhersteller „TWD“. Platz fünf und sechs belegen die „pgam advanced technologies“ und die
Insolvenz der „FIP Finger & Pelz GmbH“ aus Essen. Die „EKER GmbH“ aus Adelsdorf betrieb die
Herstellung und den Handel mit elektronischen Baugruppen und musste Mitte Februar einen Antrag auf Eröffnung des
Insolvenzverfahrens stellen. Die Pleite der „BS-Baugeräte-Service GmbH & Co. KG“ ist eine unmittelbare
Folge der Walter-Bau-Insolvenz.
Weniger Mitarbeiterverluste aber hohe Schadenssummen verursachten die Heimgänge der „Phoenix Kapitaldienst
GmbH“ und der „Falk-Fonds“, weshalb sie hier Erwähnung finden.
Gründungen schwächen sich ab
Die Zahl der Neugründungen ist erstmals seit Jahren wieder rückläufig. Insgesamt wurden im Jahr 2005 910.500 Gewerbe
angemeldet. Das sind 50.000 oder 5,2 Prozent weniger als vor einem Jahr. Während die Zahl der Gewerbeanmeldungen
insgesamt sinkt, nimmt die Zahl der Neueintragungen beim Handelsregister zu. Die Handelsregisteranmeldungen verzeichnen
einen Zuwachs von 5,7 Prozent.
Die Zahl der Löschungen steigt von 677.600 im vergangenen Jahr auf 694.900. Das bedeutet eine Steigerung um 2,6
Prozent. Weniger Neugründungen bei gestiegenen Löschungen haben zur Folge, dass der Saldo aus An- und Abmeldungen um
23,8 Prozent auf 215.600 fällt (Vorjahr: 282.900).
Die Zahl der Neugründungen mit Wirtschaftsaktivität geht gegenüber dem Vorjahr um 10.000 zurück und beträgt in
diesem Jahr 155.000. Die Zahl durch Neugründungen entstehender Arbeitsplätze verringert sich entsprechend auf 232.400
(250.900).
Gründungsintensive Branchen und Bundesländer
Die meisten neu gegründeten Unternehmen sind Dienstleistungsbetriebe. Bei den Handelsregistereintragungen des Jahres
2005 kommen sie auf einen Anteil von über 70 Prozent, etwa 20 Prozent sind Handelsbetriebe, weniger als 10 Prozent
entfallen auf das Verarbeitende Gewerbe und die Bauindustrie. Mit Abstand die meisten Gründungen finden in den
wirtschaftsstarken westdeutschen Flächenländern Nordrhein-Westfalen (23.730), Bayern (17.786) und Baden-Württemberg
(11.120) statt.
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